Nominierte Prix Rando 2018

Kategorie Hauptpreis

Die sechs folgenden Projekte sind für den Prix Rando Hauptpreis nominiert und dürfen an der Verleihung vom 5. Mai 2018 in Naters auf die Siegerprämie hoffen:

Alte Schollbergstrasse

Die Alte Schollbergstrasse wurde zwischen 1490 und 1492 als erste Strasse im Auftrag der Eidgenossenschaft gebaut. Über die Zeit in Mitleidenschaft gezogen, haben die Gemeinden Wartau und Sargans diesen historischen Weg im Jahr 2016 wieder instand gestellt.

Die Projektentwicklung und Bauausführung fand in ständiger Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten des Geländes und in archäologisch-denkmalpflegerischer Begleitung statt.

Denn alle erhaltenen Strassenteile wiesen noch wertvolle Bausubstanz auf.

So blieben unberührte archäologische Strukturen und gut erhaltene Bauteile bestehen. Beschädigte Elemente, wie Trockensteinmauern, wurden mit traditioneller Handwerkstechnik erneuert.

Durch die Aufnahme in das Wanderwegnetz wurde ein attraktiver historischer Verkehrsweg von rund drei Kilometern als Wanderweg reaktiviert.

Die Prix Rando Jury überzeugte vor allem die hervorragende Bauausführung und das Bestreben, den Weg seiner einstigen Bedeutung angemessen wiederherzustellen. Dies stehe exemplarisch für die Instandstellung historischer Wegsubstanzen.  

Charles Kuonen Hängebrücke

Der Europaweg zwischen Grächen und Zermatt gilt als eine der schönsten 2-Tageswanderungen in den Alpen. Vor über 20 Jahren eröffneten die Gemeinden St. Niklaus, Grächen, Randa, Täsch und Zermatt den Europaweg. Allerdings musste die damalige Hängebrücke aufgrund von instabilem Gelände gesperrt werden. Für beinahe sieben Jahre bestand eine Umleitung über Randa, die einen Auf- und Abstieg von je 700 Höhenmetern bedeutete. Viele Touren wurden an dieser Stelle vorzeitig abgebrochen, was nicht zuletzt negative Folgen für zahlreiche touristische Betriebe hatte.

Mit dem Bau der 494 Meter langen Hängebrücke wurde die einstige Wegverbindung wiederhergestellt und der Weg erhielt seine ursprüngliche Attraktivität zurück.

Vorbildlich zeigt sich die überarbeitete Lageplanung, die unter anderem die Jury dazu bewogen hat, das Projekt für den Prix Rando zu nominieren. Die Brücke wurde verlängert und um 70 Meter höhenversetzt, um erneuten Beschädigungen durch Rutschungen am Grabengufer langfristig entgegenzuwirken.

 

www.europaweg.ch
www.randa.ch/haengebruecke

Fussgängerbrücke Appenzell

Kernstück dieser Kandidatur ist die 2016 gebaute Fussgängerbrücke über die Sitter. Die 35 Meter lange Konstruktion aus Holz und Stahl ist vom Zentrum von Appenzell in gut 20 Minuten erreichbar.

Dank der vom Militär geplanten und gebauten Brücke konnte ein schöner einstündiger Rundweg angelegt werden. Die neu geschaffene Verbindung bezieht zudem einen historischen Saumpfad von regionaler Bedeutung mit ein.

Diente der Wanderweg früher gleichzeitig auch als Erschliessungsstrasse für das Gewerbe, führt der Weg heute um das Industriegebiet herum und näher an die Ufer der Sitter und des Kaubachs. Dies macht den Wanderweg nicht nur attraktiver, sondern entlastet ihn erheblich von Hartbelag und sorgt für eine höhere Sicherheit der Fussgänger. Ein neuer hindernisfreier Teilabschnitt erschliesst einem breiten Publikum die Münzmühle als Ausflugsziel.

Die Nomination für den Prix Rando begründet die Jury damit, dass dieses Projekt ein schönes Beispiel zugunsten der Naherholung darstellt. Es sei umsichtig geplant, berücksichtige viele qualitative Aspekte und helfe, Motor- und Fussverkehr zu entflechten.

Optimierung Bernina Express

Die Route zwischen Pontresina und dem Berninapass erfreut sich grosser Beliebtheit bei Wandernden sowie Mountainbikern.

Die hohen Frequenzen führten jedoch neben Erosion auch zu Nutzerkonflikten. Aus diesem Grund wurden Abschnitte eines kaum mehr genutzten Wegtrassees so instand gestellt, dass er als neuer Wanderweg zur Verfügung steht und damit das Konfliktpotential zwischen Wanderern und Mountainbikern reduziert wird. Die bisherige gemeinsame Linienführung ist nur noch für talwärts fahrende Mountainbiker vorgesehen und entsprechend ausgebaut.

Mit dem im Juni 2017 abgeschlossenen Sanierungsprojekt wurde die Wegqualität so verbessert, dass das Erlebnis aller Nutzergruppen auch in den kommenden Jahren möglichst hochwertig ist.

Der planerische Ansatz zugunsten einer sicheren Koexistenz von Wandernden und Mountainbiker, sowie die sich reduzierenden Unterhaltskosten durch zweckmässigen Weg- und Trailbau der Nutzung entsprechend, bewog die Jury dazu, das Projekt zu nominieren.

 

www.facebook.com/videos/1895080727421597/

Tal-Wanderweg Diemtigtal

Der 14 Kilometer lange Talwanderweg im Diemtigtal verläuft beschaulich entlang dem Fildrich. Das beliebte Ausflugsziel mit zahlreichen Anbindungen an den öffentlichen Verkehr ist Aushängeschild des Naturparks Diemtigtal und wurde in den letzten Jahren in Etappen aufgewertet.

2016 wurde der Wanderweg dahingehend ausgebaut, dass er abschnittsweise auch mit Rollstuhl und Kinderwagen zugänglich ist.

Ein besonderes Schmuckstück ist die 150 Meter lange Trockensteinmauer aus unbearbeiteten Steinen aus dem Flussbett. Die Mauer bettet sich harmonisch in die Landschaft ein und wurde unter professioneller Anleitung mit einer Einsatzgruppe Asylsuchender erstellt. Zusammen mit der ebenfalls mit Natursteinen aufgewerteten Brätelstelle im Katzenloch in Oey, dient dieser attraktive Uferweg als Ausflugsziel für Wanderer und zur Erholung der Anwohner.

Das Projekt des Naturparks ist Bestandteil einer langfristigen Aufwertungsinitiative des Wanderweg-Netzes im Diemtigtal. Dabei trägt vor allem die Ausstrahlung des Projekts für hindernisfreie Wege und für die Naherholung zur Nomination für den Prix Rando bei. 

www.diemtigtal.ch

Umleitung Wanderweg Wolzenalp–Ijental

Die «Wolzenalp» zählt zu einer der 89 Moorlandschaften der Schweiz, die zum nationalen Inventar der schützenswerten Landschaften gehören.

Beim Projekt der Gemeinde Nesslau wurden 850 Meter des Wanderwegs verlegt, die zuvor durchs Moor führten. Neu verläuft die Strecke von der Wolzenalp ins Ijental durch den Wald und entlang des Waldrands. Wo vorher der Boden sumpfig war, wurde er mit Holzrosten und Kiesauflagen begehbar gemacht.

Mit der neuen Wegführung kann ein wertvoller Bereich des geschützten Moores vom Wandertourismus entlastet werden. Gleichzeitig gewinnt der Wanderweg zusätzlich an Attraktivität: Er zeigt sich abwechslungsreich und bietet schöne Ausblicke auf das Moor und die Voralpen.

Die Jury nominiert das Projekt für den Prix Rando 2018, nicht zuletzt auch aufgrund des grossen ehrenamtlichen Einsatzes von Firmen und Schulklassen. Dabei wurden die meisten Arbeiten von Hand und mit Holz aus der Region durchgeführt. Diese bodenschonende Bauweise trägt ebenfalls zur Nomination bei.

Kategorie Sonderpreis

Die folgenden drei Projekte sind für den Prix Rando Sonderpreis nominiert, der für eine vorbildhafte Umsetzung der Ersatzpflicht vergeben wird (Wege mit Hartbelag werden durch Naturwege ersetzt).

Hauptwanderweg Bisistal

Der kantonale Hauptwanderweg verlief einst im ganzen Bisistal durchgängig auf der asphaltierten, viel befahrenen Strasse. Seit der Einführung der kantonalen Verordnung zum Fuss- und Wanderweggesetz im Jahr 2004 ist das zuständige Umweltdepartement des Kantons Schwyz bestrebt, den Hartbelag auf dem Wanderwegnetz zu reduzieren.

So wurden zusammen mit der Gemeinde Muotathal mehrere Teilabschnitte auf insgesamt drei Kilometern von der Strasse aufgehoben und auf ein neues, abwechslungsreiches, zum Teil historisches Trassee, verlegt. Der neue Weg führt durch naturbelassene Landschaft und weitgehend entlang der Muota.

Die Prix Rando Jury hebt neben dem bemerkenswerten Engagement für hartbelagsfreie Wanderwege auch die partizipative Planung und optimale Unterhaltsregelung hervor. Diese bewirkten eine starke Akzeptanz des Vorhabens. Nur durch den Einbezug zahlreicher Akteure, vor allem der Grundeigentümer, konnte eine Wegverlegung in dieser Dimension überhaupt stattfinden.

Wanderweg Hergarten-Umbertsschweni

Die Sanierung einer mit Schwarzbelag gedeckten Strasse nahm die Gemeinde Alterswil zum Anlass, den auf ihr liegenden Wanderweg in diesem Sommer zu verlegen. Dadurch können sich die Wandernden zukünftig auf natürlichem Terrain und ungestört vom Verkehr bewegen.

Die Wegverlegung bewirkt eine Reduktion des Hartbelags um 820 Meter. Zudem werden 400 Meter Kiesweg aufgehoben. Dafür entstanden 2350 Meter Naturwanderweg.

Die neue abwechslungsreiche Linienführung verläuft durch Wald und über Wiesen mit schönen Aussichten auf den Sensegraben und die Freiburger Voralpen.

Die Prix Rando Jury hebt bei der Nomination die beispielhafte Nutzung einer Hartbelagssanierung zugunsten einer Ersatzmassnahme hervor. Das Wanderwegnetz wurde durch das Projekt um einen qualitativ hochwertigen Wanderweg reicher.

Wanderweg Hohe Brücke – Zun – Melchi (Melchaabord)

Der im April 2017 erbaute Weg ist Bestandteil des stark frequentierten Wander- und Pilgerwegs Sarnen - Flüeli - Ranft. Dank des Projekts der Gemeinde Sachseln konnte ein Abschnitt von 530 Metern von der Asphaltstrasse an den Waldrand und an die Melchaaschlucht verlegt werden. Dies unter Mithilfe der Korporation Sachseln und dem freiwilligen Engagement von Pensionierten und des Steinmanndliklub Sachseln.

Nebst der Trennung vom Motorverkehr, brachte die Verlegung auch eine Linienführung losgelöst vom übrigen Langsamverkehr wie Biken und Reiten. Zur sicheren Abgrenzung des landwirtschaftlichen Nutzlandes wurde ein neuer Zaun errichtet. Holzstufen und Geländer gewährleisten an anspruchsvollen Stellen die nötige Sicherheit.

Das kleine aber durchaus feine Projekt überzeugte die Jury einerseits aufgrund der erfolgreichen Reduzierung des Asphaltanteils auf dem Wanderweg. Andererseits möchte sie das Freiwilligenengagement ehren, das diesem Wanderweg zugutekommt.  

www.bruderklaus.ch

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