Picknick Magazin 2015/4

Die heisse Wurst aus der Glut

Cervelats bräteln? Für die Neuenburger ist das schlicht zu langweilig. Sie legen lieber ein paar gut verpackte Neuenburger Saucissons in die Glut und lassen sie eine Stunde schmoren. Torrée nennt sich die Methode. Erfunden wurde sie von den Waldarbeitern.

Zutaten

1 Saucisson neuchâtelois
1 Kartoffel (z.B. Bintje) pro Person
  Backpapier
  Zeitungspapier
  Schnur
  Wasser

Zubereitung

  • Ein grosses Feuer machen, warten, bis sich Glut gebildet hat.
  • Die Saucisson neuchâtelois in Kabisblätter einwickeln, danach mit Backpapier und am Schluss mit Zeitungspapier umhüllen, das Ganze in Wasser tunken (das Zeitungspapier muss richtig nass sein), mit Bindfaden zuschnüren, in die Glut legen.
  • Mit genügend Glut und Asche zudecken.
  • Tannenzweige darüberlegen: Das gibt den typischen «waldigen» Geschmack.
  • 50 bis 60 Minuten in der Glut schmoren lassen.
  • Auspacken und geniessen.
  • Wer Lust hat, kann auch noch Kartoffeln (am besten in Alufolie) in die Glut legen.

Die 5 wichtigsten Fragen zur Torrée

Rund um die Torrée gibt es eine Reihe spannender Fragen. Für alle, die sich zu wahren Torréeanern entwickeln möchten, haben wir die wichtigsten aufgeführt. Nur so kann eine Torrée wirklich gelingen, behaupten die Neuenburger...

1. Gut verpacken

Die wichtigste Frage, die vor allem Deutschschweizer immer wieder stellen:

Warum wird die Saucisson bei einer Torrée so unvergleichlich saftig und aromatisch?

Das Geheimnis liegt darin, dass die Wurst eingepackt wird und so perfekt vor sich hinschmoren kann. So lösen sich die fettreichen Speckstücke in der Hitze fast vollständig auf und der gallertartige Saft verbindet sich wunderbar mit dem groben Schweinefleisch. Wichtig ist, dass die Wurst wirklich gut eingepackt und verschnürt wird, damit das edle Stück nicht verbrennen kann. Ausserdem muss man die Garzeit einhalten: 50 Minuten sind das Minimum. Lieber etwas länger, schaden kann das nicht.

2. Tannenholz

Der zweite «Trick» bei der Torrée ist das Holz: Traditionsgemäss wird Tannenholz für das Feuer verwendet, wobei man am Schluss auch noch einige Zweige auf die Glut gibt, was dann zu einer starken Rauchentwicklung führt. Das gibt der Wurst noch das besonders «tannige» Aroma.

3. Weisswein

Spätestens wenn die Wurst in der Glut liegt, ist ein Schluck Weisswein angesagt. Hier ist ein trockener, leicht säuerlicher Neuenburger die richtige Wahl. Versteht sich, dass es kein «Ausländer» sein darf, zu denen die Neuenburger auch die Chassleas aus dem Waadtland oder die Fendants aus dem Wallis zählen. Christoph Challendes vom Hotel Clef des Champs auf dem Tête de Ran (er führt die Torrées auf Anfrage für Gruppen durch) hat einige gute Tropfen im Keller, die den genannten Kriterien Rechnung tragen. Alternativ ist natürlich auch Absinth eine gute Wahl. Das Val de Travers ist ja nicht weit.

4. Die richtige Zeitung

Ebenfalls wichtig ist, dass die Zeitung schön nass ist.

Welche Zeitung man dazu verwendet, ist bei den Neuenburgern seit jeher Anlass hart geführter Kontroversen. Die Neuenburger aus der Region des Sees schwören auf den ‚Express’, diejenigen, die in den Tälern des Neuenburger Jura wohnen, auf den ‚Impartial’. Für beide ist jedoch klar:

Es darf auf keinen Fall eine Deutschschweizer Zeitung sein, schon gar nicht ein Boulevardblatt. Am besten, so Henri Cosandey von Neuchâtel Rando, sei eine Zeitung von gestern. Und da es sich bei der Torrée um ein Stück Esskultur handelt, das seit 1991 sogar im Kulinarischen Erbe der Schweiz aufgeführt werde – eigne sich der Feuilletonteil deutlich besser als der vergleichsweise profane Sportteil, zumal hier auch stets die Frage mitschwinge, welchen Fussballclub man sozusagen «ins Feuer» werfe.   

5. Saucisson oder Saucisse?

Auch das ist natürlich immer wieder ein Thema, das insbesondere den Deutschschweizern Kopfzerbrechen bereitet. Klar ist (und für Romands ist sonnenklar): Die Saucisson ist dicker und etwas grösser als die Saucisse. Ergo ist die Neuenburger Wurst eine...?

Alle Rezepte finden Sie im

WANDERN.CH-Rezeptbüchlein