Die verschwundene Frau

Ausgabe 4/2019

Inhaltsübersicht

  • Die verschwundene Frau
  • Kapitel 1: Vals
  • Kapitel 2: St. Gallen
  • «Das Schicksal der Frau hat mich fasziniert.»
  • Zwetschgenkuchen und eine Hütte zum Verlieben
  • Nachhaltiger – und trotzdem dicht?

In Vals verschwindet eine Frau spurlos, ihr Gepäck wird tags darauf an der Bushaltestelle gefunden. Darin sind viele Wanderkarten und Fotos. Der Vorfall lässt Mira nicht mehr los. Auf den Spuren der verschwundenen Frau reist sie durch die Schweiz und wandert zu den Orten, welche die Frau zuletzt aufgesucht hat: Haldenstein, Binn, Zweisimmen, Freiberge, Rigi. Je mehr Mira herausfindet, desto mehr will sie wissen. Unser Magazin ist diesmal ein Roman. Zu jedem der acht Kapitel gibt es einen Wandervorschlag. Sie finden diesen jeweils wie gewohnt im hinteren Teil des Magazins und können damit der Hauptprotagonistin nachwandern – auf den Spuren des Romans, welche die Berner Schriftstellerin Marina Bolzli extra für Sie geschrieben hat.

Die verschwundene Frau

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Im Herbst 2016 verschwand im Bündner Bergdorf Vals eine Frau spurlos. Zuvor hatte sie im mondänen Hotel 7132 einchecken wollen, doch ihre Kreditkarte wies zu wenig Deckung auf. Ihr Gepäck wurde später an einer Bushaltestelle gefunden. Die Frau bleibt bis heute verschwunden. Der auf diesem Vorfall basierende Roman spielt an realen Orten. Die Charaktere sind jedoch frei erfunden, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen zufällig.

Sie setzt sich und hält den grossen Zeh ins Wasser. Sofort zieht sie ihn zurück. Dann taucht sie ihn nochmals ins eiskalte Nass. Jetzt schon mutiger. Sie benetzt sich Beine und Arme, atmet tief ein und legt sich dann mit einer schnellen Bewegung ganz ins mit Steinen gestaute Becken im tosenden Wasser. Innerhalb von Sekunden zieht es jede Pore ihres Körpers zusammen, wie 1000 kleine 2 Nägel spürt sie die Kälte auf der Haut. Innerlich zählt sie langsam bis zehn. Dann erhebt sie sich ruckartig, schnappt sich das Badetuch am Ufer und rubbelt so lange über ihren Körper, bis die Hühnerhaut verschwindet. Sie fühlt sich frisch und klar. Der letzte Schnee ist geschmolzen, die Bäche sind randvoll, die Natur explodiert. Bald werden die ersten Touristen kommen...

Kapitel 1: Vals

Mira hat Kopfschmerzen. Die Kinder haben den ganzen Tag gequengelt, wollten nicht still sitzen, nicht einmal, als sie die Geheimwaffe zückte und ihre Lieblingsgeschichte von Flurina und dem Wildvögelein erzählte. Jetzt freut sie sich nur noch auf Ruhe. Ba-ding, ba-ding, ba-ding. Die Kollegen spielen im kleinen Hinterhof Tischtennis. Sie winken. Doch Mira hat keine Lust. Sie will direkt im Zimmer verschwinden. Sie ist schon fast im Treppenhaus zu den Personalzimmern angelangt, als ihr jemand auf die Schulter tippt. «Du, Mira, kannst du nicht schnell für eine halbe Stunde die Rezeption hüten, ich sollte noch kurz zur Post, bevor sie schliesst.» Ivana schaut sie bittend an. «Okay», sagt Mira, «aber nur eine halbe Stunde.» Eigentlich ist Mira während der Saison als Kinderbetreuerin angestellt. Sie unterhält die Kleinen, während die Eltern wellnessen oder wandern. Aber es ist üblich, dass sich das Personal untereinander aushilft, wenn es irgendwo brennt. Auch wenn die Hoteldirektion es nicht gerne sieht, wenn Ungeübte hinter dem Tresen sitzen.

Kapitel 2: St. Gallen

«Und dann?», fragt Arno. Er sitzt auf dem breiten Fenstersims in Miras kleiner Studentenwohnung und steckt sich eine Traube nach der anderen in den Mund. Er schmatzt genüsslich. «Kannst du nicht mal aufhören?», sagt Mira genervt. «Lass uns lieber rausgehen, dann kann ich besser erzählen. » Übermorgen fängt die Uni wieder an...

«Das Schicksal der Frau hat mich fasziniert.»

Das Verschwinden einer deutschen Frau in Vals GR hat Schriftstellerin Marina Bolzli als Inspiration für ihren Roman in diesem Magazin genutzt. Auf dem Weg zum Etang des Royes in den Freibergen erzählt die Bernerin, wie sie die acht Schauplätze besucht hat und dabei auf eine traumhafte Idylle gestossen ist.

Zwetschgenkuchen und eine Hütte zum Verlieben

Es ist kein Zufall, dass der Zwetschgenkuchen in der Valser Hängelahütte so gut schmeckt. Trudi und Nicole Schnider stecken viel Liebe und Herzlichkeit in ihre Bergwirtschaft und tischen auf, was die Region an Spezialitäten hergibt.

Nachhaltiger – und trotzdem dicht?

Vor Greta war Greenpeace: Die Umweltorganisation rüttelte 2012 die Outdoorbranche wach. Seither ist Nachhaltigkeit Trumpf. Viele Hersteller versprechen, bis 2020 die problematischen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) zur Imprägnierung zu ersetzen. Aber ist nachhaltig auch dicht? Unser Testteam wollte es wissen.

Bild: Roman Zaykovskiy / Greenpeace