Nicht zwingend, aber reizvoll

Leichte Ausrüstung ist nicht nötig - aber sie ist praktisch und macht Spass. Ob aber der ambitionierte Wanderer jedes Gramm zählt oder der Plauschwanderer das Gewicht seiner Ausrüstung optimiert, ist ein grosser Unterschied.

Rémy Kappeler

 Eine Regenjacke, die 82 Gramm wiegt, eine Isolationsjacke, die 180 Gramm schwer ist: Die Outdoorszene misst sich derzeit darin, wer die leichtesten Teile anbieten kann. Da löscht es dem Hobbywanderer schnell mal ab: Das Interesse an so viel Spektakel verflüchtigt so rasch, wie eine Feder vom Wind weggeblasen wird. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf die leichten Produkte zu werfen.

Wenn die Regenjacke verpackt nur noch so gross ist wie ein Apfel, wird sie attraktiv: Sie ist jederzeit mit dabei, wie die Notfallapotheke und der Znüniriegel. Und sie leistet gute Dienste, wenn man von einem Regenguss überrascht wird. WANDERN.CH hat zwei leichte Ausrüstungen zusammengestellt und getestet. Die eine spricht die ambitionierten Wanderer an, die Trailrunner, die Grammjäger. Die andere ist eine Mischung zwischen leicht und praktisch: Sie darf etwas schwerer sein, ist dafür etwas bequemer, langlebiger und bietet mehr Komfort. Dieser Eindruck bestätigte sich, als WANDERN.CH die Ausrüstungen auf die Waage gelegt hat: Die kompromisslos leichte Ausrüstung ist mit 1697 Gramm gut ein Kilo leichter als die Ausrüstung, die mehr auf Komfort achtet (2650 Gramm).

 

Alpin nein, Bergwandern ja

Der Mammut T Cirrus Mid GTX

In der Praxis bestätigte sich auch, dass die superleichten Teile nur bedingt für den Einsatz auf Alpinwanderwegen gemacht sind. Dafür sind sie zu wenig robust, zu spartanisch. Auch bieten sie den Füssen zu wenig Schutz. Generell treten bei leichter Ausrüstung schneller Abnützungserscheinungen auf: der qualitätsbewusste Wanderer ist bald enttäuscht, wenn das teure Stück nach kurzer Zeit Abnützungserscheinungen zeigt. Spannend sind die Ergebnisse einer Studie, die britische Forscher im Auftrag des Militärs anstellten. Sie fanden heraus, dass ein Gramm gespartes Gewicht beim Schuh ungefähr fünf Gramm Gewicht im Rucksack entspricht. Wer also seine schweren Lederwanderschuhe eintauscht gegen leichte Mulitfunktionsschuhe – diese wiegen rund ein Kilo pro Paar – spart sich immerhin zwei bis drei Kilo Rucksacklast.

Muss nicht, darf aber

Links die superleichte und rechts die praktischere Ausrüstung.

Bei der Isolation lassen sich gut auch Gramme einsparen. Teilnehmer von Extremexpeditionen setzen auf Daune: Sie ist im Vergleich von Leichtigkeit und Wärmeleistung immer noch unschlagbar. Die Federn bauschen sich auf und binden Luft, die vor dem Auskühlen schützt. Verpackt lässt sich die Jacke klein zusammenpressen. Der Nachteil ist aber die aufwendige Pflege. Zudem schadet häufiges Waschen, weil das natürliche Daunenfett herausgespült wird. Diesen Nachteil haben Kunstfaserjacken nicht. Sie sind pflegeleicht, wärmen auch, wenn sie nass sind, und trocknen schneller. Bleiben schliesslich die Stöcke. Hier können die Gewichtsfetischisten noch einmal jubeln. Das extrem leichte Karbon macht es möglich: Einer der Stöcke wiegt gerade mal 140 Gramm und hat sich im Test bewährt. Wohltuend für die Mitmenschen in der Seilbahn ist auch, dass die Stöcke vollständig im Rucksack versorgt werden können. Leichte Teile haben also auch durchaus Vorteile für den einfachen Wanderer. Den Test können Sie im Magazin WANDERN.CH 2015-2 nachlesen.

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