Und wieso hast du so viele Feinde?

Kaum ein anderes Wildtier erhitzt die Gemüter so sehr wie der Wolf. Doch wer ist er? Wie lebt er, und wie kommt es, dass er überhaupt wieder hier ist? Eine Spurensuche am Calanda, der Heimat des ersten Schweizer Wolfsrudels. Aus dem Magazin WANDERN.CH

Daniel Fleuti

Der Wolf ist zurück. Nachdem er Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet war, streiften anfänglich nur vereinzelte Individuen durch unsere Berge. Zwanzig Jahre lang blieb das so. Doch im August 2012 tappte am Calanda unweit der Stadt Chur ein Wolfswelpe in eine Fotofalle, es war ein Hinweis auf ein Rudel. Das Calandarudel bleibt bislang das einzige in der Schweiz – und es scheint sich wohlzufühlen.

«Wölfe brauchen keine Wildnis. Sie fühlen sich im Gebirge, im Wald, auf dem Feld und in dünn besiedelten Landschaften wohl», sagt Ralph Manz, der bei der Fachstelle Kora für das Wolfsmonitoring zuständig ist – seine Organisation hat sich auf Raubtierökologie und Wildtiermanagement spezialisiert. «In der Schweiz sind die Bergregionen und der Jura optimale Lebensräume.» Was der Wolf einzig benötigt, ist ein Platz zur Aufzucht der Jungen sowie genügend Nahrung. Und auch diesbezüglich ist er wenig wählerisch. Er ernährt sich hauptsächlich von Huftieren wie Hirsch, Reh, Wildschwein und Gämse. Gelegentlich erbeutet er Kleinsäuger, Füchse und ungeschützte Nutztiere. Bei Bedarf kann er sogar auf Aas ausweichen.

Anpassungskünstler ohne Heimat

Foto: René Gadient, Wildhüter Amt für Jagd und Fischerei Graubünden

Ausgerottet wurde der Wolf, weil er in Konflikt mit dem Menschen geraten war. Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich die Nutztierhaltung aus, grosse Waldstriche wurden abgeholzt oder durch Beweidung zerstört. Unkontrollierte Jagd eliminierte zudem die meisten Beutetiere des Wolfs. Er musste sich gezwungenermassen von Nutztieren ernähren, was seinen Untergang besiegelte, nicht nur in der Schweiz, sondern in weiten Teilen Europas.

Herdenschutz zeigt Wirkung

Herdenschutzhunde bei Chur. Foto: Daniel Fleuti

Ein weiterer Konflikt zwischen Mensch und Wolf entsteht aus der Kleintierhaltung. Nachdem die Grossraubtiere ausgerottet waren, hatten die Landwirte aufgehört, Schafe und Ziegen zu behirten. Ungeschützte Nutztiere sind für den Wolf aber leichte Beute. Mittlerweile sind einige Alpen in Wolfsgebieten mit Hunden und teils auch mit Hirten geschützt. Die freiwillige Massnahme wirkt: «In geschützten Herden sind Angriffe selten, Übergriffe passieren vor allem auf ungeschützte Herden», sagt Jan Boner, im Kanton Graubünden zuständig für den Herdenschutz. Rund 200 Nutztiere fallen dem Wolf in der Schweiz jährlich zum Opfer, die Halter erhalten vom Bund eine Entschädigung. Zudem können die streng geschützten Wölfe auch offiziell geschossen werden, wenn sie in einem bestimmten Zeitraum und Gebiet zu viele Nutztiere reissen. An den Herdenschutzmassnahmen beteiligt sich die öffentliche Hand ebenfalls. Im Calandagebiet sind mittlerweile einige Alpen geschützt, einige mit Hunden, andere mit Zäunen. 2014 hatte man auf Bündner Seite laut Jan Boner keine Ausfälle. Damit die Herdenschutzhunde ihre Arbeitverrichten können, ist es wichtig, dass der Mensch mit ihnen richtig umgeht. Den ganzen Artikel können Sie im aktuellen Magazin WANDERN.CH nachlesen.

Weitere Informationen

www.magazin-wandern.ch
www.kora.ch