Faszination Schnee

Eigentlich ist es ja nur Niederschlag: gefrorenes Wasser, das vom Himmel fällt. Jedoch ist für viele der Winter ohne Schnee nicht dasselbe.

Vera In-Albon

Foto: Markus Ruff

Schnee ist viel mehr als Schneeflocken und eine träge weisse Masse. Vielleicht haben andere Sprachen deswegen so viel mehr Wörter dafür?

Schnee besteht nicht etwa aus gefrorenen Regentropfen. Diese fallen nämlich als Hagel vom Himmel. Schnee entsteht, wenn sich in den Wolken bei höchstens -12°C kleinste Wassertröpfchen an sogenannten Kristallisationskeimen – Sand- oder Staubteilchen – anlagern und gefrieren. Es bilden sich winzige Eiskristalle. Wenn sich der in der Luft enthaltene Wasserdampf direkt an diesen festsetzt, wachsen sie während ihres Falles durch die Wolken weiter und formen die bekannten sechseckigen Formen der Schneekristalle. Wie die Form der Schneekristalle aussieht, hängt von der Temperatur ab: Prismen und Plättchen bilden sich bei kälteren Temperaturen. In wärmerer Luft entstehen Eisnadeln und die typischen sechsarmigen Sterne (Dendriten). Die Gestalt der Schneekristalle kann sich also während ihres Falls zur Erde durch die verschiedenen Temperaturen ändern.

Schneeflocken

Sternförmiger Schneekristall.

Schneeflocken sind nicht einzelne, sondern durch kleine Wassertropfen verbundene Schneekristalle. Daher sind bei wärmeren Temperaturen die Schneeflocken grösser und feuchter. Frisch gefallenen Schnee bezeichnet man als Neuschnee. Häuft sich der Schnee am Boden, wachsen die Eiskristalle an ihren Berührungspunkten zusammen und bilden eine Struktur. Diese Schneedecke bleibt jedoch keinesfalls immer gleich: Temperatur, Sonneneinstrahlung, Niederschläge und Wind verändern sie konstant.

Kleine Schneekunde

Direkt nach dem Fall von trockenem Schnee liegt weicher, leichter Pulverschnee, der nur unter 0° C vorkommt. Ist es wärmer, wandelt sich seine Oberfläche zu Bruchharsch. Diese dünne und harte Fläche entsteht durch den Wechsel von Tauen und nächtlichem Frieren und bricht bei Gewichtsbelastung ein. Weicht der Schnee weiter auf, bleibt nur noch schwerer Nassschnee (Sulz). Je länger der Schnee liegt, desto dichter wird er. Schnee, der mindestens ein Jahr alt ist, bezeichnet man als Firn. Nach noch längerer Zeit entsteht Eis, das eine Dichte von bis zu 900 Kilogramm pro Kubikmeter aufweist.

100 Inuit-Wörter für Schnee

Dick eingepackt im Schneegestöber - pures Glück für Winterfans.

Wussten Sie, dass die verbreitete Annahme, die Inuit hätten eine höhere Anzahl an Wörtern für Schnee, ein Irrtum ist? Dieser entstand, weil in den eskimo-aleutischen Sprachen Konzepte, wie «Schnee am Boden», «frisch gefallener Schnee», oder «Schnee, der zu schmelzen beginnt» in einem einzigen Wort ausgedrückt werden können (ähnlich wie im Deutschen: Schnee, Neuschnee, Pulverschnee). Die Anzahl der einfachen Grundwörter für Schnee ist in den Inuitsprachen nicht höher als in anderen. Jedoch ist sie geringer als im Isländischen, welches 16 Wortstämme für Schnee hat. Zum Beispiel «fannkoma» für «Schneefall», «ofanbylur» für «Schneefall bei Wind» und nicht zu vergessen «hundslappadrífa » für «schwerer Schneefall mit grossen Flocken bei ruhigem Wetter».

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