Die unterschätzte Mittelschicht

Mit der Mittelschicht lässt sich spielen. Die Midlayer, wie die zweite Schicht im Jargon des Drei-Schichten-Prinzips heisst, werden in der Regel zwischen einem Shirt, dem Baselayer, und einer Wetterjacke, dem Shelllayer, getragen. Aber nicht nur – das Testteam hat acht Jacken im Schnee geprüft.

Barbara Graber

Die Vielfalt der Midlayer ist ebenso gross wie jene des Testteams: Auf der Schneeschuhtour zur Lobhornhütte. Bild: Markus Ruff

Die erste Schicht liegt direkt auf der Haut, die zweite soll isolieren und warm halten und die dritte schützt vor Wind und Regen: So erklären Fachleute die perfekte Wanderbekleidung. Wer viel draussen ist, weiss, so in etwa stimmt das auch. Die Midlayer trumpfen also, sobald einem kühl ist. Etwa zu Beginn eines Aufstiegs, während den Pausen oder beim Abstieg, wenn man gerne etwas fröstelt. Ein Jäckchen ist dann schnell angezogen und sobald man zu schwitzen beginnt – was allerdings bei der hohen Atmungsaktivität der Midlayer selten passiert – auch wieder im Rucksack verstaut. Und es lässt sich perfekt mit ihm spielen. Ob direkt auf der Haut, mal nur über einem Shirt, offen oder geschlossen, mal zwischen der ersten Schicht und der Wetterschutzjacke, – er sorgt für die Wohlfühltemperatur. Auch zwei Midlayer übereinander kann man tragen. Toll an den Jäckchen ist: Sie sind oft so schick, dass man sie sogar im Alltag tragen kann. Eben ganz das praktische Jäckchen für zwischendurch.

Die Mittelschicht ist vielfältig

Als Midlayer dienen Jacken, Pullover oder Westen. Dank ihren isolierenden Eigenschaften geben sie sofort warm. Die Tester der Schweizer Wanderwege trotzten der Winterkälte mit Jacken aus unterschiedlichsten Materialien: Fleece, Wolle, Daune oder synthetische Isolierungen wie Primaloft. Auch Luft isoliert bekanntlich, was den Hersteller Devold aus Norwegen dazu brachte, in seine Wolljacke Tinden Spacer Luftpolster einzubauen. Oft werden auch verschiedene Materialien zusammen verarbeitet. So mischt Engel Sports Seide in seine Wolljacke, was sie reissfester macht. Fjällrävens Modell Keb wiederum vereint Merinowolle mit synthetischem, schnell trocknendem Material. Alleine schon diese Vielfalt lässt erahnen, ein oder auch zwei Jäckchen sorgen für die richtige Temperatur zwischendurch. Vielfalt hin oder her, wind- und wasserdicht sollte die Zwischenschicht trotzdem nicht sein, da dies den Feuchtigkeitstransport weg von der Haut massiv erschwert. Eine schweissnasse Jacke gibt weniger warm als eine trockene! Ausnahmen erweitern auch hier die Vielfalt des Angebots. So preist Ortovox die Testjacke Piz Roseg mit winddichtem Frontbereich an. Hybridjacke nennt sich das, da an anfälligen Zonen andere Materialen eingearbeitet werden. Eine weitere Ausnahme stellen Softshell-Jacken dar. Sie können sowohl als Midlayer als auch als Shelllayer getragen werden.

Mehr als nur Kleinigkeiten

Alle Jacken trumpfen schliesslich mit nützlichen Details. So verhindert ein Schlupf am Ende des Reissverschlusses lästiges Kratzen am Hals oder gar eingeklemmte Barthaare. Und lässt sich der Reissverschluss auch von unten öffnen, sitzt es sich bequemer. Mit glatter Oberfläche flutscht man leichter in die Wetterschutzjacke und das Hochrutschen der Ärmel beim Überziehen der dritten Schicht kann mit einer Daumenschlaufe verhindert werden. Die ist auch sonst ganz praktisch, macht sie doch aus dem Armabschluss einen halben Handschuh und hält so die Hände warm. Gut überlegen beim Kauf eines Midlayers muss man sich die Sache mit den Taschen. Hat man sie, stören Inhalt und Reissverschluss vielleicht unter den Rucksackgurten, fehlen sie, vermisst man sie schnell einmal. Wer den Midlayer wirklich nur zwischen den Schichten trägt, verzichtet auf Taschen, wer sich aber oft das Jäckchen schnell mal überzieht und sich gerne darin zwischendurch einkuschelt, wählt besser ein Modell mit verschliessbaren Taschen. Welche Details auch immer überzeugen, die Jacke soll angenehm zum Tragen sein und beim Gehen am Rücken nicht hochrutschen. Und zu guter Letzt: Egal ob eine kuschelige Fleecejacke oder ein hoch technisches Teil in sportlichem Look: Warm gibt sie nur, wenn sie trocken ist. Darum ist es wichtig, sie bei den ersten Schweisstropfen im Rucksack zu verstauen. Denn gerade im Winter kühlt schweissnasse Haut den Körper schnell aus. Und atmungsaktiv hin oder her – schwitzen tut man so oder so.

Einige Beispiele von Midlayers

Die seidig-weiche

Der leichte Materialmix aus Merinoschurwolle und Seide sorgt bei dieser Jacke für eine gute Regulierung der Körpertemperatur und reduziert die Geruchsbildung. Der Seidenanteil macht sie ausserdem langlebiger, da Seide reissfester ist als Wolle. Tester Bernard Hinderling: «Ich habe kaum geschwitzt und mir war in den Pausen trotzdem warm. Die Jacke verrutscht trotz guter Bewegungsfreiheit nicht. Die kleine Brusttasche mit Reissverschluss eignet sich bestens für Schlüssel oder Billets.» Er würde auf die Kapuze verzichten, findet sie zu eng. Aber die Daumenschlaufen und den Zweiwegreissverschluss möchte er nicht mehr missen.

www.engel-sports.com

Bernard Hinderling, Fachspezialist Wanderwege

«Die dezente Jacke ist gut ganzjährig nutzbar.»

  • Hersteller: Engel Sports
  • Modell: Kapuzenjacke
  • Material: 70 % Merino, 30 % Seide
  • Preis: 98 Franken

Sportlicher Klassiker

Der sportliche Trentino aus mitteldickem Stretch-Fleece ist ein Klassiker unter den Midlayern. Aussen glatt, innen flauschig, ist dieser Powerstretch sowohl für sportliche Aktivitäten als auch die Freizeit geeignet. Andreas Wipf meint: «Das Jäckchen ist sehr angenehm zu tragen, die Ärmelenden sind gut anliegend. Ich persönlich würde das Modell ohne Kapuze wählen, da ich diese lieber an der äussersten, regenabweisenden Schicht habe. Die beiden Taschen mit Reissverschlüssen sind gross, man kann darin die Hände gut warm halten. Um eine kleine Brusttasche wäre ich hin und wieder froh.»

www.schoeffel.de

Andreas Wipf, Fachspezialist Wanderwege

«Ich trage die Jacke gerne im Alltag – zu Hause und im Büro.»

  • Hersteller: Schöffel
  • Modell: Fleece Hoody Trentino
  • Material: Polyester, PFC-frei
  • Preis: 149 Franken

Gut für die Umwelt

Die Innenseite des Miskanti Fleece Jacket besteht aus der neuartigen Fleece-Faser Tencel, gefertigt aus Holzzellulose, und verursacht beim Waschen keinen Mikroplastik. Ulrike Marx stört beim Testen nur eins: Der Ärmelbund ist zu satt und die Ärmel können nicht hochgekrempelt werden. Aber: «Die Jacke hält sehr warm, ist atmungsaktiv, schon fast ein wenig winddicht. Sie ist sehr weich und das Teddyfutter kuschelig, es fühlt sich nicht so kunstfasermässig an. Die Bewegungsfreiheit ist voll gegeben, rutschen tut da gar nichts. Man kann sie auch gut in der Freizeit tragen. Für mich könnte sie etwas körpernaher geschnitten sein, am Bauch beult sie.» Sie mag die Kapuze, die beiden Taschen und den hochwertigen Reissverschluss.

www.vaude.com

Ulrike Marx, Fachspezialistin Wanderwege

«Es ist beruhigend, dass das Fleece keinen Mikroplastik verursacht.»

  • Hersteller: Vaude
  • Modell: Miskanti Fleece Jacket
  • Material: innen: Tencel, aussen: recycliertes Polyester
  • Preis: 170 Franken

Das Wohlfühlteilchen

Das Sensum Jacket im klaren, minimalistischen Look eignet sich für den täglichen Gebrauch. Streifen aus hochflorigem Fleece machen sie so richtig fluffig. Zwei Eingrifftaschen mit Reissverschluss halten die Hände warm und bieten Platz für Krimskrams. Alexandra Blatter hat sie getestet: «Die Jacke bietet sehr hohen Tragekomfort und liegt schön eng an. Sie gibt wunderbar warm, ist aber für mich etwas zu kurz geschnitten.»

www.haglofs.com

Alexandra Blatter, Geoinfomratikerin

«Die Jacke ist flauschig und weich.»

  • Hersteller: Haglöfs
  • Modell: Sensum Jacket
  • Material: Fleece, 96% Polyester, 4% Elastan
  • Preis: 225 Franken

Aussen Wolle, innen solid

Innen aus flauschigem Merino, aussen aus strapazierfähigem Polyamid, ist der Keb Wool Sweater warm und doch leicht. «Das Jäcklein gibt sehr warm, trägt die Wärme aber trotzdem gut nach aussen. Auf einer Schneeschuhtour kam ich ins Schwitzen, zog das Fleece aber absichtlich nicht aus. In der Hütte angekommen, war ich erstaunt, wie trocken es geblieben ist», meldet Tester Patrick Salzmann. «Diese Jacke ist sehr angenehm zu tragen und trotz bester Bewegungsfreiheit ist Hochrutschen kein Thema. Die beiden Taschen mit Reissverschluss sind ganz praktisch. Ansonsten bietet die Jacke keinen Schnickschnack, was aber auch nicht nötig ist.»

www.fjallraven.com

Patrick Salzmann, Sponsoring

«Funktion und Qualität der Jacke sind prima.»

  • Hersteller: Fjällräven
  • Modell: Keb Wool Sweater
  • Material: innen Merino, aussen Polyamid
  • Preis: 250 Franken

Hybrid mit Schurwolle

Die Hybridkonstruktion der Piz Roseg mit der winddichten Wollfüllung im Frontbereich und Mischmaterial an Armen und Rücken schützt den starren Rumpf und gewährleistet hohe Bewegungsfreiheit. Michael Roschis Fazit: «Der Windschutz im Brustbereich ist für mich unter einer Jacke getragen zu warm. Aber trägt man die Jacke als äusserste Schicht, ist er angenehm.» Er schätzt die Daumenschlaufen und vermisst die Kapuze überhaupt nicht. Die beiden Brusttaschen sind gut zugänglich und stören beim Rucksacktragen nicht.

www.ortovox.com

Michael Roschi, Geschäftsleiter

«Die Jacke ist äusserst bequem. Sie gefällt mir optisch sehr  gut.»

  • Hersteller: Ortovox
  • Modell: Swisswool Piz Roseg
  • Material: Polyester/Merino/Elastan, Wattierung: Schurwolle
  • Preis: 259 Franken

Luft in Wolle gepackt

Etwas spacig wirkt das Tinder Spacer Jacket wegen seiner luftgefüllten Pölsterchen schon. Aber Luft isoliert bekanntlich und das führt zur grossen Wärme des Modells aus Norwegen. Vera In-Albon hat die Jacke im Schnee getestet: «Ich hatte nie zu warm und sie fühlte sich nie nass an, auch beim Aufstieg nicht. Sie ist sehr bequem, verrutscht nicht beim Bewegen und trotzdem ist die Bewegungsfreiheit gewährleistet. Sie ist eher für die Übergangszeit und den Winter gedacht. » Die etwas zu kleine Kapuze wärmt schön, die Taschen sind geräumig und lassen sich mit einem qualitativ guten Reissverschluss schliessen.

www.devold.com

Vera In-Albon, Redaktorin digital

«Die Jacke sieht super gut aus, nicht so outdoormässig.»

  • Hersteller: Devold
  • Modell: Tinder Spacer Jacket
  • Material: 75% Merino, 24% Polyester, 1% Elastan
  • Preis: 290 Franken

Das Federgewicht

Dünne Daunenjacken eignen sich im Winter ganz gut als Midlayer für Wärmebedürftige. Testerin Nathalie Stöcki ist auf der Schneeschuhtour aber schnell ins Schwitzen gekommen: «Dafür hält Whisperer Down Jacket schön warm, wenn man verschwitzt eine Pause macht. Die Jacke ist als Midlayer definitiv ein Winterteil. Sie gefällt mir sehr gut und ich trage sie in der Übergangszeit auch als Freizeitjacke.» Die knapp 220 Gramm leichte Jacke lässt sich in ihrer eigenen Tasche verstauen. Nathalie schätzt die Kapuze, die grossen Taschen und den stabilen Aufhänger. Nur der Reissverschluss dürfte noch etwas geschmeidiger laufen.

www.chrissports.ch

Nathalie Stöckli, PR/Events

«Die Jacke ist super angenehm zu tragen, als Midlayer aber zu warm.»

  • Hersteller: Mountain Hardwear
  • Modell: Whisperer Down Jacket
  • Material: aussen Polyamid, Füllung Gänsedaune
  • Preis: 399 Franken

Aus dem Magazin WANDERN.CH 6/2018

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