Der unscheinbare Begleiter

Im besten Fall vergisst der Wanderer, dass er einen hat: Tagesrucksäcke sind leicht, und hoffentlich nur leicht gepackt. Das fordert den Wanderer heraus: Was ziehe ich an, was kommt zur Sicherheit mit – und welchen Rucksack brauche ich überhaupt dafür? Ein Tag im Leben der Rucksacktester von WANDERN.CH.

Laura Marti, Maria van Harskamp

Ungetrübte Aussichrten: Wenn der Rucksack gut sitzt, vergessen ihn die Wanderinnen nach kurzer Zeit.

Tageswanderungen sind hoch im Kurs und bieten gerade nach der Winterpause eine gute Gelegenheit, um wieder in Form zu kommen. Auch wenn man nur ein paar Stunden unterwegs ist, muss so einiges mit: Picknick, Sonnen- und Regenschutz, Fotoapparat, Jacke, Wanderstöcke. Wer keine Hosen mit überdimensionierten Säcken hat, packt seine Sachen in einen kleineren Rucksack, englisch Daypack genannt.

8 Uhr: leichter Start

Daypacks bringen wenig Eigengewicht auf die Waage und kommen mit einem Volumen von 15 bis 30 Litern aus. Das heisst für das Packen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Pullover und Jacke werden in den kühlen Morgenstunden noch am Körper getragen, im Rucksack landen erstmal Verpflegung sowie mehr oder weniger nötige Accessoires wie Portemonnaie, Handy, Sonnencreme und Selfiestick. Wer mit Wanderstöcken unterwegs ist, befestigt diese an den dafür vorgesehenen Schlaufen am Rucksack, Spitz gegen unten – und sorgt so für Sicherheit in Zugabteilen und Seilbahnen.

9 Uhr: richtig geschultert

Der Rucksack gepackt. Damit er auch gut sitzt, hier eine kurze Anleitung zum richtigen Schultern:

1. Hüftgurt, Schulterträger und Lageverstellriemen lockern.

2. Rucksack schultern, Hüftgurt mittig auf das Becken setzen und anziehen.

3. Schulterträger stufenweise anziehen. Sachte, damit das Gewicht nicht zu sehr auf den Schultern lastet.

4. Lageverstellriemen an den Schulterträgern und am Hüftgurt festziehen: In schwierigem Gelände, wenn der Rucksack kompakt auf dem Rücken liegen soll, straff anziehen. In einfacherem Gelände zur besseren Rückenbelüftung oder auch zum Muskellockern weniger stramm ziehen.

Kauftipp: Rucksäcke sollten immer mit Gewicht getestet werden – erst dann zeigt sich, welches Modell guten Halt bietet und bequem ist. Das empfohlene Testgewicht liegt bei fünf Kilogramm.

11 Uhr: nasser Rücken

Wer wandert, schwitzt. Und das besonders am Rücken. Die meisten Rucksäcke sind deshalb mit Netzrücken oder atmungsaktiven und gepolsterten Rückentragesystemen ausgestattet. Netzrücken ermöglichen die Luftzirkulation zwischen Rücken und Rucksack, aber nur, wenn keine dicken Pullis und Jacken getragen werden. Die Rucksäcke mit Netzrücken sitzen aber etwas weniger kompakt am Körper, sind etwas steifer und haben weniger Spielraum beim Packen, da die Rückwand nicht flexibel ist.

12.30 Uhr: zerdrücktes Sandwich

Morgens fast leer, muss der Rucksack im Lauf des Tages immer mehr schlucken.

Die Sonne wärmt, der Frühling zeigt sich in voller Pracht. Die Jacke landet im Rucksack, ebenso die Trinkflasche. Zuunterst befindet sich das Sandwich und wird immer kleiner. Kann so passieren, muss aber nicht: Benutzerfreundlich sind Daypacks mit Aussentaschen und Deckelfach. In Ersteren kann die Trinkflasche verstaut werden und sogar ohne grössere Schäden vor sich hin rinnen (hoffentlich nicht!). Alles, was häufig gebraucht wird, kommt ins Deckelfach. Allgemein gilt: Schwere Sachen gehören nahe an den Rücken, damit der Rucksack nicht nach hinten zieht. Deshalb befindet sich hier bei einigen Modellen das Laptopfach. Und wer den Rucksack für anstrengendere Touren braucht, ist vielleicht froh um ein System mit Trinkbeutel.

14 Uhr: verspannter Nacken

Der Tagesrucksack ist, wie oben erwähnt, bald gefüllt. Wer also zu Schulterverspannungen neigt, sollte nicht auf Schulter- und Hüftgurte verzichten. Rückenschonende Systeme machen das Tragen angenehmer – im Idealfall vergisst der Träger den Rucksack sogar. Und zur Erinnerung: Bewusst packen schont ebenfalls den Rücken. Muss der Laptop wirklich mit? Kann die Getränkeflasche nachgefüllt werden?

15 Uhr: Alles nass oder was?

Keiner wünscht ihn sich beim Wandern, der Regen kommt manchmal trotzdem. Jetzt schnell die Jacke wieder auspacken und für einen besseren Halt die Wanderstöcke einsetzen. Und was ist mit dem Rucksack? Teilweise sind die Modelle wasserdicht, oder im Deckel befindet sich eine Regenhülle. Ist beides nicht der Fall, kann ein universeller Regenschutz dazugekauft werden.

16 Uhr: wandern und einkaufen

Ein Daypack macht sich nicht nur in Bergen gut, er tut seinen Dienst genauso im Grossstadtdschungel. Der tägliche Einkauf trägt sich darin einfach nach Hause, die Sportklamotten oder der Laptop lassen sich bequem auf den Rücken packen – und hindern einen nicht, das Velo zu nehmen. Und beim Sport kommt vielleicht sogar die Signalpfeife zum Einsatz. Diese versteckt sich meist in der Gurtschnalle.

Die Wahl ist nicht einfach

Ob Mann oder Frau, Hobbywanderin oder Bergerklimmer, Detailverliebte oder Minimalist – die Auswahl an Tagesrucksäcken ist gross. Das macht es nicht einfach, aber garantiert einen Rucksack, der individuell passt. Sobald man sich im Klaren ist, was man will, kanns losgehen. Rucksack packen, schultern und Abmarsch.

Was bei Damen anders ist

Was früher ein einfacher Leinenrucksack mit Lederriemen war, ist heute ein multifunktionales Gepäckstück mit Sonderausstattung. Und entwickelt sich natürlich immer weiter. Erst seit einiger Zeit sind Modelle auf dem Markt, die auf den Körperbau der Frau zugeschnitten sind. So tüfteln beispielsweise die Expertinnen bei Deuter seit 2006 an optimierten Modellen. Und was ist anders? Frauen haben durch die geringere Körpergrösse einen kürzeren Rücken, was kleinere beziehungsweise kürzere Rucksäcke erfordert. Ist der Rucksack zu lang, scheuert er bei jedem Schritt am Hintern und ist unbequem. Weiter haben Frauen im Vergleich zur Grösse ein breiteres Becken als Männer, was einen anders geformten und besonders gepolsterten Beckengurt zu einer wichtigen Anforderung macht. Der Hüftgurt ist auf Höhe der Taille angebracht, um einen besseren Halt zu garantieren. Die nächste Pflichteigenschaft sind schmale und kurze Schulterträger, die leicht s-förmig geschnitten sind und somit an der Brust vorbeilaufen, ohne die Schultern falsch zu belasten. Ein hoch sitzender Brustgurt, der nicht einschneidet, hilft zusätzlich, das Gewicht zu verteilen.

Einige Beispiele von Daypacks

Klein, aber oho

Der Hikelite von Osprey bietet trotz seinem geringen Packvolumen von 18 Litern so einiges: guter Halt dank Schulter- und Hüftgurten, kein Verrutschen und genügend Taschen für den Kleinkram. «In den seitlichen Stretchfächern lässt sich die Trinkflasche wunderbar verstauen. Oben gibt es Taschen für Handy, Sonnenbrille und kleine Snacks», sagt Tester Michael Roschi. Auch das Rückensystem mit Netz hält, was es verspricht: «Dank der guten Durchlüftung gibt es auch nach der Wanderung keinen schweissnassen Rücken – angenehm!»

www.newrocksport.ch

Michael Roschi, Geschäftsleiter

«Alle nötigen und unnötigen Extras fi nden Platz drin – und das Design ist toll.»

  • Marke: Osprey
  • Modell und Grösse: Hikelite, 18 l
  • Gewicht: 670 Gramm
  • Preis: 99 Franken

Wandern mit Stil

Das ausgeklügelte Rückensystem des Mammut-Daypacks sorgt einerseits für gute Durchlüftung, andererseits für einen passenden Halt: «Der Metallrahmen und die gepolsterten Gurte sorgen für eine angenehme Lastverteilung – ein Segen für meine Schultern», meint Testerin Laura Marti. In den seitlichen Netztaschen lassen sich Trinkflasche und Handy gut verstauen, die Klappentasche bietet Platz für Schlüssel und Portemonnaie. Weiter überzeugt der Rucksack durch sein schlichtes, elegantes Aussehen.

www.mammut.ch

Laura Marti, Autorin

«Mir gefällt der sportlich-elegante Rucksack sehr gut. Er ist funktional und modisch.»

  • Marke: Mammut
  • Modell und Grösse: Creon Tour, 26 l
  • Gewicht: 1080 Gramm
  • Preis: 130 Franken

Ordnung fühlt sich gut an

In diesem Haglöfs-Rucksack findet man, was man sucht – auch wenn man mal etwas viel mit dabei hat. Er besitzt zwei Aussentaschen für Portemonnaie, Sonnencreme, Schlüssel und was auch immer. Und zwei Fächer für Trinkflaschen. Dank dem Schnürsystem lässt sich die Jacke bei warmen Wetter problemlos festbinden. Tester Rémy Kappeler: «Das separate Fach fürs Tablet ist toll. Bestens geeignet auch für die Wanderkarte oder Sonstiges, das nicht zerknittern soll.» Das Modell sitzt ausserdem gut, auch wenn der Rückenteil etwas steif ist.

www.haglofs.com

Rémy Kappeler, Redaktor

«Der Rucksack ist für die Berge und für den Stadtbummel ebenso gut geeignet.»

  • Marke: Haglöfs
  • Modell und Grösse: Vide Medium, 20 l
  • Gewicht: 780 Gramm
  • Preis: 100 Franken

Die Leichtigkeit des Tragens

Wer es gerne simpel und leicht mag, ist mit den Bach Backpacks gut bedient. Der Rucksack kommt ohne Seitentaschen, Schulter- und Hüftgurt sowie Trinksystem aus. Auch optisch fällt er in den Bergen auf: Der schlicht-schicke Begleiter erinnert so gar nicht an einen Wanderrucksack. Testerin Vera In-Albon: «Der Rucksack ist bequem, allerdings kippt er bei langer Tragezeit etwas zur Seite. Deshalb eignet er sich eher als Stadt- oder Reiserucksack.» Das Material ist wasserfest, für den alltäglichen Kleinkram gibt es ein Fach im Inneren.

www.bachpacks.com

Vera In-Albon, Redaktorin digital

«Der Rucksack im Seesack-Stil ist ein sehr leichter Alltagsbegleiter.»

  • Marke: Bach Backpacks
  • Modell und Grösse: Stout n’ strong, 27 l
  • Gewicht: 450 Gramm
  • Preis: 120 Franken

Stabil und wetterfest

«Dank seiner flachen Form ist der Rucksack sehr bequem, obwohl keine besondere Konstruktion im Rückenbereich vorhanden ist», sagt Tester Pietro Cattaneo über das Ortlieb-Modell. Die breite, viereckige Form vereinfacht das Packen. Eine Innen- sowie eine kleine Aussentasche können die übliche Deckeltasche gut ersetzen, bei Regen ist kein Schutz nötig, da der Rucksack wasserdicht ist. Einziger Wermutstropfen: Im unteren Bereich des Rucksacks gibt es keine Öffnung.

www.ortlieb.com

Pietro Cattaneo, Fachspezialist Wanderwege

«Durch seine Form sitzt er – unabhängig vom Inhalt – immer gut.»

  • Marke: Ortlieb
  • Modell und Grösse: Packman Pro2, 25 l
  • Gewicht: 1020 Gramm
  • Preis: 165 Franken

Rucksack für alle Fälle

Das Modell Kaipak gehört mit seinen 28 Litern zu den grösseren Modellen. Er ist eher schmal und hoch geschnitten, was ein überlegtes Packen bedingt. In der Fronttasche mit Reissverschluss kann eine leichte Jacke verstaut werden, das ist praktisch. Seitenfächer, Deckelfach und Regenschutz sind ebenfalls vorhanden. «Der Rucksack ist robust und bequem. Wenn er schwer beladen ist, ist der Halt etwas weniger gut. Trotzdem kommt er beim nächsten Kurztrip garantiert zum Einsatz», sagt Testerin Maria van Harskamp. Der Kaipak ist aus recyceltem Polyester und Biobaumwolle.

www.fjallraven.com

Maria van Harskamp, Autorin

«Der Kaipak hebt sich optisch vom typischen Wanderrucksack ab. Schön.»

  • Marke: Fjällräven
  • Modell und Grösse: Kaipak 28, 28 l
  • Gewicht: 1050 Gramm
  • Preis: 180 Franken

Schnittiges Federgewicht

Der Rucksack von Arc’Teryx besticht durch seine Schlichtheit: einerseits beim Aussehen, andererseits in der Funktionalität. «Ein Rucksack mit entfernbarem Hüftgurtsystem - das gefällt mir. Ich finde dieses beim Tagesrucksack überflüssig », sagt Tester Markus Ruff. Weitere Pluspunkte sind die qualitative Verarbeitung sowie der praktische Reissverschluss oben: «Auch wenn man Schneeschuhe auf den Rucksack bindet, lässt sich der Daypack problemlos öffnen.» Weniger überzeugt Markus Ruff der Rucksackrücken: Packt man viel, verliert dieser seine Form und sitzt nicht mehr bequem.

www.arcteryx.com

Markus Ruff, Redaktor

«Ein verlässlicher Begleiter für einen Wandertag in den Bergen ohne viel Gepäck.»

  • Marke: Arc’Teryx
  • Modell und Grösse: Brize 25 Backpack, 25 l
  • Gewicht: 905 Gramm
  • Preis: 165 Franken

Komfortable Umarmung

«Der Deuter Futura Pro ist gut geeignet für geübte Wanderinnen, die auch mal zwei Tage unterwegs sind», sagt Testerin Alexandra Blatter. Sein Netzrücken geht direkt in die Hüftflossen über. Damit umschliesst der extra für Frauen gemachte Rucksack die Trägerin förmlich, was komfortabel ist und die Rückenbelastung minimiert. Gleichzeitig bleibt der Rücken gut belüftet. In vielen Taschen können sämtliche Wanderutensilien ordentlich verstaut werden – «gut für das persönliche Fächlimanagement».

www.deuter.com

Alexandra Blatter, Geoinformatikerin

«Design und die Blumen erinnern an die Hippiezeit. Das gefällt mir.»

  • Marke: Deuter
  • Modell und Grösse: Futura Pro 34 SL, 34 l
  • Gewicht: 870 Gramm
  • Preis: 189 Franken

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