Funkelnder Sand, versteinerte Schnecken

Wer die Landschaft des Mittellandes einmal aus einer anderen Perspektive erleben wollte, hatte auf der geologischen Exkursion von swisstopo Gelegenheit dazu. Dabei liess man Steine, Hügel und Dreck ihre Geschichten erzählen.

Claudia Peter

Ein erdiger Hang, eine hügelige Landschaft in der Ferne, ein steiler Aufstieg im Wald – was für viele Wanderer kaum zur Kenntnis genommen wird, spricht für Peter Haldimann ganze Bände. Der Geologe kann jede Erhebung im Gelände lesen und aus einem Haufen Dreck eine ganze Erdgeschichte erzählen. Zum Beispiel im Rahmen einer öffentlichen Führung vor rund zwanzig Interessierten, einige Geologen, die meisten aber interessierte Laien und Hobbygeologen.

Wo der Laie einfach einen unscheinbaren Erdhang sieht, eröffnet sich für Peter Haldimann ein Blick in die Geschichte der Erde.

Haldimann ist Geologe und arbeitet für das Bundesamt für Landestopographie swisstopo Er ist Hauptautor für das Kartenblatt 151 Bülach des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25 000. swisstopo ist unter anderem für die geologische Landesuntersuchung verantwortlich. Infrastruktur- und Raumplanung stellen Spezialisten in Zukunft vor grosse Herausforderungen. Die geologische Daten sind wichtige Grunddaten für die Spezialisten von Schutz vor Naturgefahren, Mobilität im Untergrund, Ressourcen- und Rohstoffplanung und Tiefen- und Energieplanung. Mit dem Ziel, die Geologie auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, bietet swisstopo jedes Jahr sechs geführte geologische Exkursionen an: Drei in der deutschsprachigen Schweiz, zwei in der Romandie, eine im Tessin. Jede soll den Teilnehmern ein neuer Blick auf eine bekannte Region ermöglichen. Am 25. Juni führte eine ganztägige Exkursion durch das Mittelland, von Steinmaur aus rund um das Dörfchen Regensberg bis nach Buchs. Unterwegs wurden Steine analysiert, verschiedene geologische Landschaftsformationen untersucht und am Schluss ging es sogar noch in den Untergrund, in ein ehemaliges Bergwerk.

Souvenirs aus der letzten Eiszeit

Der Steinbruch wirkt wie aus einer anderen Zeit – ist aber heute noch in Betrieb.

Der Steinbruch bei Steinmaur und die Lägernfalte waren die erste Station der Wanderung. Hier liess sich der Anfang der durch den Lägerngrat bekannten geologischen Verwerfung der Lägernfalte schön zeigen. Und diese Erhebung der jahrtausendealten Gesteinsschichten brachte einige Souvenirs aus der Vergangenheit mit. In einem unscheinbaren Hang liessen sich allerhand Spuren aus der letzten Eiszeit entdecken, erklärte Haldimann. Und er hatte Recht: Nach nur einer kurzen Suche entdeckte ein Exkursionsteilnehmer eine versteinerte Schnecke, ein Fossil aus den Jura-Schichten der Lägern.

Peter Haldimann untersucht verschiedene Gesteinsfunde und erklärt sie den Teilnehmern.

Anhand der Aussicht in Richtung Ostschweiz zeigte Haldimann die verschiedenen Arten und Typen von Ablagerungen und erklärte den Unterschied zwischen einer Gletschermoräne – kantiges, grobes Gestein, heterogen und wie hingeworfen -  und Schottergestein – feiner geschliffen, fein geschichtet – und dass ein Findling, ein grosser Steinbrocken, in jedem Fall auf eine Moräne hindeutet.

Gute Versicherung für die alten Römer

Spuren der Vergangenheit: Im Steinbruch lassen sich viele Fossilien finden.

Kurze Zeit später wies er im Wald auf eine weitere Auffälligkeit in der Landschaft hin: eine sogenannte Hangrutschung. Eine steile Abbruchkante deute darauf hin, dass dort der Hang gerutscht sei. Stufenartig führt das Gelände in der Abbruchstelle in die Tiefe, während der intakte, unbewegte Hangbereich nebenan weich gewellt abfällt. Auch nach einem Abbruch sei das Gelände nicht stabil, erklärte Haldimann. Er würde jedem davon abraten ein Haus in einem Abbruchhang zu bauen, ausser man habe eine sehr gute Versicherung, sagte er und hatte damit die Lacher auf sicher.

Ein riesiger Findling liegt in der Zone einer grösseren Hangrutschung.

Die alten Römer hatten aber genau dies nahe bei Buchs trotzdem getan. Dort stehen die Ruinen eines ehemaligen Gutshofes. Wieso dieser Hof wohl auf diese ungünstige Bauunterlage gestellt wurde? Haldimann mutmasste, dass es am reichlich vorhandenen Wasser gelegen haben muss.

Ab in den Stollen

Teufelslochstrasse: der Strassenname deutet auf die unsichere Hanglage hin. Der Hang ist wohl früher schon einmal gerutscht.

Ein weiteres Highlight bot der Schluss der Exkursion: Bei Buchs liegt ein ehemaliges Glimmersand-Bergwerk. Der Quarzsand, wie der Glimmersand auch genannt wird, wurde für die Produktion des weitherum bekannten grünen Bülacherglas abgebaut. Weil dies aber nur knapp rentierte, liess der Besitzer schon im frühen 20. Jahrhundert seine Arbeiter Skulpturen in die Wände der Stollen meisseln. Im Labyrinth von Gängen finden sich heute mehrere Dutzend kunstvoll geformter und mit Wasserfarben kolorierter Reliefe, welche Kantonswappen, Sagengestalten und Tiere abbilden. Mit Gaslämpchen ausgerüstet, können die Besucher durch die dunklen und auch im Sommer frische 9 Grad kühlen Gänge spazieren.

 

Eine Nachbildung des Löwendenkmals von Luzern findet sich neben vielen weiteren Skulpturen überraschend im Bergwerk bei Buchs.

Mit einer feinen Wähe wurde die Exkursion abgerundet und der lockere Rahmen bot, wie schon die Wanderung zuvor, Raum für Fragen und Gespräche. Im Garten des Restaurants Bergwerk liess man den Blick in die Weite schweifen. Und überlegte nun plötzlich, was die geologische Geschichte der Hügelkuppe in der Ferne wohl sei...

Weitere Informationen und Exkursionen

www.bergwerk-buchs.ch

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