Hart erarbeitete Wurst

Bei der Mittagsrast auf einer Schneeschuhtour eine Wurst bräteln. Welchen Aufwand man dazu betreiben muss, verrät der leidenschaftliche Wintergrilleur Chrigu Herzig aus Bern.

Marina Bolzli

«Kalt habe ich die Wurst noch nie gegessen », sagt Chrigu Herzig und lacht. Manchmal aber dauert es ziemlich lange, bis die Wurst parat ist. Denn Chrigu Herzig hat eine ganz spezielle Leidenschaft: Er ist Wintergrilleur. Wenn andere es sich mit einem Fondue in der warmen Berghütte bequem machen, zieht es ihn in die Natur. Und er macht es sich nicht leicht. Seine Grillplätze liegen mitten im Schnee, am liebsten an einem spektakulären Ort, wohin er und seine Freunde vorher mit den Schneeschuhen gelaufen sind. Wobei er gleich betont: «Der Ort muss sorgfältig gewählt werden, damit man weder Tieren noch Pflanzen schadet.» So seien Naturschutzgebiete tabu, und man sollte nicht in der Nähe der Baumgrenze feuern.

Hartes, trockenes Holz

Reisig und Holz: im Winter gar nicht so einfach zu finden.

Aber wie ist der Berner, von Beruf Softwareentwickler, auf die Idee gekommen, im Winter zu bräteln? «Ich habe einfach Spass am Grillieren», sagt er. «Irgendwann habe ich mir gedacht: ‹Warum sollte ich im Winter darauf verzichten?›» Und so fing er an, mit ein paar Freunden herumzupröbeln. Schnell fanden sie heraus, was das grösste Problem beim Wintergrillieren ist: Das Feuer in der Kälte am Leben zu halten. «Je tiefer die Umgebungstemperatur, desto kleiner ist die Brennwilligkeit des Zündguts», sagt er. Kommt hinzu, dass Chrigu Herzig das Holz ungern beim Wandern mitträgt. «Darum sind Grillplätze in der Nähe von abgestorbenen Tannen gut», sagt der Experte. Dort findet er Reisig und auch mal grössere Holzstücke. Am Boden liegende Holzscheite sind meistens angefroren und feucht und deshalb nicht geeignet, verbrannt zu werden.

Pusten, pusten, pusten

Im kalten Schnee braucht auch das trockenste Reisig Brennhilfe.

Nun legt Chrigu Herzig das Reisig und die trockenen Äste direkt auf den Schnee. Wichtig dabei ist, dass die Feuerstelle windgeschützt ist. Schliesslich wird das Reisig angezündet. Und dann heisst es: Pusten, pusten, pusten. Denn im kalten Schnee brennt auch das trockenste Reisig nicht einfach so. «Man muss ‹chüderle›», sagt Herzig.

Das Feuer frisst ein tiefes Loch in den Schnee.

Die Hitze lässt das Feuer in ein immer tiefer werdendes Loch im Schnee sinken. So ist die Flamme zwar windgeschützt, der kalte Schnee lässt das Feuer aber nie allzu stark werden. Und darum ein weiterer Tipp des Experten: Man sollte sich beim Grillgut auf eine Wurst oder Cervelat beschränken. Für alles andere ist die Hitze zu wenig hoch. Und natürlich muss man nicht auf die Glut warten. Die Würste dürfen beim Wintergrillieren ruhig schon über die Flamme gehalten werden.

Am besten grillt man im Schnee Würste.

Wer es weniger experimentell möchte, kann das Holz übrigens mittragen. Ausserdem empfiehlt Chrigu Herzig, bereits vorher die Strecke und geeignete Grillplätze zu recherchieren. «Wintergrillieren braucht Geduld, aber es lohnt sich», sagt er. «Es gibt nichts Schöneres, als mitten im Schnee ein Feuer zu haben.»

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