Bemerkenswerte Erfolgsgeschichte

Die gelben Wanderwegweiser sind fester Bestandteil des Schweizer Landschaftsbilds. Heute steht Wandernden ein flächendeckendes und signalisiertes Wanderwegnetz zur Verfügung. Das war nicht immer so.

Andreas Staeger

Die Wanderbewegung kann auf eine lange Geschichte zurückblicken – und auf einen Start mit viel Pioniergeist. 65 000 Kilometer gut gepflegte Wanderwege erschliessen die schönsten Naturlandschaften der Schweiz. Das weltweit einmalige Angebot gehört zu den Erfolgen des Verbands Schweizer Wanderwege und seiner 26 kantonalen Wanderweg-Organisationen.

Schon zu Anfang des letzten Jahrhunderts hatten erste Vorkämpfer damit begonnen, touristische Fusswege zu signalisieren. Mit dem Siegeszug des Autos seit den zwanziger Jahren gerieten die Fussgängerinnen und Fussgänger mehr und mehr in die Defensive. Dies war die Stunde von Jakob Ess, einem Lehrer aus der Ostschweiz. Sein Schlüsselerlebnis hatte er, als er mit einer Schulklasse über den Klausenpass wanderte. Der Auto- und Motorradverkehr hatte stark zugenommen, die Gruppe musste in Staub und Abgaswolken marschieren und um ihre Sicherheit bangen. So reifte in Jakob Ess die Idee von besonders bezeichneten Wanderwegen.

 


Gelbe Tafeln und schwarze Schrift als erste Amtshandlung

Wanderpioniere Jakob Ess und Otto Binder

Jakob Ess erkannte die ersten Tendenzen einer Schweizer Wanderbewegung und verstand es, diese zu einer neuen Strömung zu bündeln. Er konnte den damaligen Sekretär der Stiftung Pro Juventute und des Bunds der Schweizer Jugendherbergen, Otto Binder, für seine Anliegen begeistern. Der nationale Verband der Wanderweg-Bewegung wurde am 15. Dezember 1934 in Zürich aus der Taufe gehoben. Bereits am Gründungstag wurde ein einheitlicher Wegweisertypus festgelegt. Dennoch verpflichtete sich die junge Organisation von Anfang an dem schweizerischen Ideal des Föderalismus: Die Wanderweg-Signalisierung war nämlich nicht Aufgabe des zentralen Dachverbands, sondern der einzelnen Wanderweg-Sektionen auf kantonaler Ebene. Dort stürzte man sich mit Feuereifer auf die neue Aufgabe: Schlag auf Schlag wurden in verschiedenen Kantonen Vereine gegründet, die sich an die Planung geeigneter Routen und an deren Signalisierung achten.

Gefährdung durch Signalisierung

Haudegen beim Signalisieren eines Bergwanderwegs.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs setzte jedoch auch diesem Aufbruch ein jähes Ende, jedenfalls für eine Weile. Weil Wanderweg-Signalisierungen auch einem einfallenden Feind wertvolle Orientierungshilfe geboten hätten, verfügte das Kommando der Schweizer Armee, dass sämtliche Wegweiser entfernt werden mussten. Das Wanderbedürfnis war jedoch klar erwiesen, die Wege bestanden ohnehin, also galt es andere Verfahren zu finden, um die Wandernden auf die Wege zu führen. Diesmal kam die Pionierleistung aus dem Kanton Bern: Dort wurden 1941 die ersten Wanderungen unter Führung kundiger Wanderleiter durchgeführt. Die Idee fand in anderen Kantonen rasch grossen Anklang.

Nachdem wir über die Pioniere der Wanderbewegung in der Schweiz und die Entstehung der geführten Wanderungen während des Zweiten Weltkrieges berichteten, nehmen wir die Entwicklung seit der 1970er Jahre bis heute unter die Lupe.

Der Zürcher Stadtpräsident und Nationalrat Sigmund Widmer marschierte in Begleitung eines befreundeten Journalisten von Zürich nach Bern – und merkte unterwegs, dass dies nicht besonders lustig war: Die markierten Wander-«Wege» waren auf weiten Strecken asphaltiert, was das Gehen monoton und unangenehm machte. Der Politiker folgerte, das Problem müsse auf gesetzlichem Weg gelöst werden. Daraus entstand der Gedanke, zum Schutz der Wanderwege eine Verfassungsinitiative zu lancieren. Die «Volksinitiative zur Förderung der schweizerischen Fuss- und Wanderwege» wurde 1974 eingereicht.

 

Das Bundesgesetz für Fuss- und Wanderwege

Fuss- und Wanderwege: in der Schweiz sind sie gesetzlich geschützt.

Beim Bundesrat fand das Volksbegehren keine Gnade. Vermutlich war es zu radikal formuliert. Im Parlament setzte sich ein Gegenvorschlag durch und in der Volksabstimmung vom 18. Februar 1979 wurde die Vorlage deutlich angenommen. Seither ist das Thema «Wanderwege» in der Schweiz auf Verfassungsstufe geregelt – in politischer Hinsicht weltweit ein Kuriosum, für die Wanderweg-Bewegung hingegen ein Glücksfall. Auf der Grundlage des Verfassungsartikels wurde das Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege ausgearbeitet, das am 1985 in Kraft trat. Seither dürfen Fuss- und Wanderwege in der Schweiz nicht mehr einfach nach Gutdünken asphaltiert oder betoniert werden.

 

Der Sprung ins Netz

Das Erbe der Wanderwegpioniere.

1982 erschien die erste Ausgabe der «Wander-Revue » (heute: «WANDERN.CH»), einer eigenen Zeitschrift der Schweizer Wanderwege. Ein Jahr danach brachte der Verband in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landestopographie (heute: Swisstopo) die erste eigene Wanderkarte heraus. Etwas mehr als zehn Jahre später erfolgten erste Versuche, das Wanderangebot von der Papier- in die digitale Form überzuführen. Um die Jahrtausendwende gerieten die Schweizer Wanderwege in eine einschneidende finanzielle und strukturelle Krise. Eine umfassende Standortbestimmung, die Ausarbeitung eines Leitbilds und der Aufbau von gezielten Spendenkampagnen brachten die Wende. Heute präsentiert sich der Dachverband der Schweizer Wanderweg-Bewegung in solider Verfassung und wird als kompetenter Dienstleistungspartner wahrgenommen und geschätzt. Auf der Geschäftsstelle in Bern sind mittlerweile 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Nicht nur der Dachverband hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Der Kerngedanke ist jedoch geblieben, und davon profitieren auch heute unzählige Menschen. Die Gründerväter der Schweizer Wanderwege haben mit ihrer Idee, Wanderwege auszubauen und einheitlich zu signalisieren, dem Tourismus und der Gesundheitsförderung in der Schweiz nachhaltige und wertvolle Impulse verliehen.

 

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